Die Sylter Rundschau über Kreuzfahrer vor List

Die "Deutschland" vor dem Lister Hafen

Am 12. Mai 2012 erschien in der Sylter Rundschau folgender Artikel zum Thema Kreuzfahrtschiffe vor List auf Sylt:

MS Astor und der Segler Star Flyer gehen erstmals an der Sylter Küste vor Anker / Kreuzfahrtschiffe versprechen Imagegewinn für die Gemeinde
List. Boris Ziegler ist im Dauereinsatz: Gleich zwei Kreuzfahrtschiffe werfen am Sonntag vor dem Lister Hafen ihre Anker. "Es ist guter Brauch, den Kapitänen bei Erstanläufen das Lister Wappen zu überreichen", sagt Kurdirektor Ziegler. Es ist der 13. und der 14. Erstanlauf in List. Die Plakette mit dem Wappen hat er auf dem Schoß, Ziegler muss es gut festhalten, als das heftig schwankende Beiboot der Astor ihn zu dem Kreuzfahrtriesen bringt. Wegen ihres Tiefgangs von bis zu sechs Metern ankern die Schiffe in einiger Entfernung zum Hafen.

Ihre Beiboote, die im Notfall als Rettungsboote zu Wasser gelassen werden, fungieren bei der Visite vor List als Wassertaxi von und zu den Kreuzfahrern für die Passagiere auf Landgang.

Die sind in der nördlichsten Gemeinde Deutschlands sehr willkommen: "Von den Reedereien bekommt die Lister Kurverwaltung eine Gebühr für jeden Fahrgast auf Landgang", sagt Ziegler. Weit wichtiger sei aber natürlich der Werbewert der weißen Riesen. "Die Leute kommen her, um die Schiffe zu sehen, und den Fahrgästen prägt sich der Name List beim Landgang ein". Es sei der Kurverwaltung ein wichtiges Anliegen, den Namen der Gemeinde als Marke zu etablieren.

Kapitän Oleg Panchenko empfängt Ziegler auf der Brücke der Astor. Der Ukrainer scherzt und unterhält sich auf Englisch mit Ziegler. Dann werden Geschenke ausgetauscht: Für die Plakette mit dem Lister Wappen erhält Lists Kurdirektor ein gerahmtes Bild der Astor vor der Norwegischen Küste. Anschließend bekommt Ziegler noch eine Führung durch die 176 Meter lange Astor. Auf dem Schiff, das für mehr als 500 Passagiere und noch einmal halb so viele Besatzungsmitglieder ausgelegt ist, gibt es vom Friseursalon bis zur Sauna jede erdenkliche Annehmlichkeit. Auf einer eigenen Showbühne finden regelmäßig Gesangsauftritte und Varieté-Darbietungen statt.

Ein wesentlich naturbelasseneres Kreuzfahrterlebnis verspricht der Segler Star Flyer, auf dem Ziegler später an diesem Tag zu Gast ist. Auf dem Viermaster werde bewusst auf ein glamouröses Unterhaltungsprogramm für die bis zu 170 Passagiere verzichtet, erklärt Kapitän Klaus Müller, der das Rentenalter eigentlich schon längst überschritten hat. Das Erlebnis Segeln stehe bei den Reisen eindeutig im Mittelpunkt, was Menschen quer durch alle Altersgruppen anspreche. Doch natürlich lässt auch die Kreuzfahrt auf dem Luxus-Segler in puncto Verpflegung und Service keine Wünsche offen.

Am Abend lichten die beiden Schiffe die Anker und stechen wieder in See - die Astor bricht Richtung Bremerhaven auf, die Star Flyer setzt Segel mit Kurs auf das dänische Esbjerg, das endgültige Reiseziel ist Oslo.

Die "Clipper Odyssee" ankert vor dem Königshafen.

Ebenfalls in der Sylter Rundschau erschien am 12. September 2012 dieser Artikel:

Schiff ahoi: Die Krabbenkutter und Segelyachten haben mächtige Weggefährten bekommen. Seit der Ozeanriese MS "Europa" 2003 erstmalig vor List einen Zwischenstopp einlegte, haben die Kreuzfahrt-Reedereien Sylt für sich zunehmend entdeckt: "Mit zehn Anläufen haben wir dieses Jahr einen neuen Rekord verbucht", vermeldet Lists Kurdirektor Boris Ziegler. "Die aus dem Fernsehen als Traumschiff bekannte MS ’Deutschland’ war sogar gleich zweimal da." Mit der Stippvisite der MS "Hanseatic" endete vor wenigen Tagen nun die diesjährige Sylter Kreuzfahrt-Saison. Doch 2013 geht es munter weiter: Mindestens sieben Anläufe werden dann im Lister Tief erwartet (siehe Infokasten).

Mehrere tausend Gäste haben 2012 bei den kleinen Kreuzfahrten, die von Hamburg oder Kiel etwa nach Dänemark oder Norwegen führten, Sylt bei Tagesausflügen kennen gelernt oder wieder gesehen - Veranstalter wie Touristiker ziehen ein zufriedenes Fazit: "Die Kreuzfahrtschiffe bürgen für ein anspruchsvolles Klientel, das vielleicht einmal als Urlauber wiederkehrt, und für die auf Sylt weilenden Gäste sind die Luxusliner allemal ein beeindruckender Anblick", urteilt Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing Gesellschaft. Dass sich die Besucher der Insel auf dem Wasserweg nähern und ausgebootet werden, da die Schiffe wegen ihres Tiefgangs Abstand zur Küste halten müssen, befindet Luft als zusätzlichen Reiz.

Auch Boris Ziegler freut sich auf jede Ankunft: "Viele Passagiere haben ein Auge für die Schönheiten von List und der übrigen Insel - das macht eindeutig Lust auf mehr." Auch in wirtschaftlicher Hinsicht seien die Tagesausflügler für List eine Bereicherung: "Gerade die Hafenanlieger profitieren davon - ebenso wie von jenen Sylt-Urlaubern, die nach List zum Anblick der Schiffe kommen." Einziger Wermutstropfen: "Es gibt durchaus Rückmeldungen von Lister Anwohnern, die über Verkehrsengpässe und das rücksichtslose Parken der ’Sehleute’ verärgert sind."

Um den Kreuzfahrern einen gebührenden Empfang zu bereiten, engagiert sich die Kurverwaltung List nach Kräften: "Wir pflegen eine enge Partnerschaft mit den Reedereien, erfüllen auch Sonderwünsche vom Zeltaufbau über den roten Teppich bis hin zu Beschilderungen." Bei Erstanläufen wird der Kapitän an Bord von Ziegler oder Bürgermeister Wolfgang Strenger begrüßt und bekommt das Wappen der Gemeinde überreicht. Mit Blick in die Zukunft setzt der Kurdirektor auf ein "moderates Wachstum" der Anläufe. Ein Wunsch allerdings sollte nicht Erfüllung gehen: "Wir haben uns darum bemüht, dass die Taufe der MS ’Europa 2’ vor List stattfindet - leider hat sich der Hamburger Hafen durchgesetzt…"

Viel zu tun gibt es für die Sylter Reederei Adler-Schiffe, wenn sich ein Luxusliner der Insel nähert: Im Auftrag der Reedereien oder deren Agenturen sorgen Reeder Sven Paulsen und sein Team für ein abwechslungsreiches Ausflugsprogramm - "immer individuell auf das Klientel oder Konzept des Schiffes abgestimmt". So reichte das Angebot in diesem Jahr von Wattwanderungen über Fahrradtouren bis hin zu Ortsführungen und Inselrundfahrten im Oldtimer-Bus.

Paulsen: "Bisher haben wir ausschließlich positive Resonanz von den Gästen bekommen - sie lobten insbesondere die Schönheit der Natur wie auch die erstklassigen Lokalitäten." Den Giganten des Meeres einmal ganz nahe sein - das ist stets dann möglich, wenn die MS "Europa" als treuer Gast am Horizont auftaucht: Die Törns mit den Adler-Ausflugsschiffen seien stets sehr gut gebucht, freut sich Sven Paulsen, der lediglich eins bemängelt: "Leider können Kreuzfahrtschiffe mit größerem Tiefgang wie etwa die ’Aida’ nicht ins Lister Tief einfahren." Sein Vorschlag: "Für die Sandvorspülungen im Norden der Insel könnte der Sand direkt aus dem Lister Tief entnommen werden, was dem Hopperbagger zugleich Wege ersparen würde."

"Kurzreisen auf Kreuzfahrtschiffen erfreuen sich wachsender Beliebtheit", resümiert auch Kornelia Kneissl, Sprecherin der Reederei Peter Deilmann, die in ihrem Portfolio unter anderem die MS "Deutschland" aufführt. Das Feedback der Passagiere auf den Sylter Zwischenstopp sei sehr positiv und man werde daran festhalten: "Tendenziell wird es auf dem aktuellen Niveau bleiben, verbindlich ist aber die jeweilige Jahresplanung."

Auch für Gabi Haupt, bei Hapag Lloyd Kreuzfahrten als Leitende Produktmanagerin der MS "Europa" tätig, bleibt Sylt eine Konstante: "Die Insel gehört ja schon seit vielen Jahren zum festen Bestandteil unseres Kreuzfahrtkalenders, und die Veranstaltung MS ’Europa meets Sansibar’ ist ein Highlight im Eventkalender von Hapag Lloyd."

Beliebt seien die Kurztrips vornehmlich als "kleine Auszeit vom Alltagsstress und bei Kreuzfahrt-Neulingen". Sylt stehe dabei hoch im Kurs: "Die Passagiere schätzen den Inselcharme, die mondäne Lebensart, die schönen Kapitänshäuser und natürlich die Natur. Und das Ganze so nah vor der Haustür!"